Social Media Week New York: Die Zukunft bin ich

Teressa Lezzi sprach mit Jeff Dachis von der Dachis Group und Socia Devian Gründer Marc Landsberg (mitta) über das Leben in sechs Jahren.

Teressa Lezzi sprach mit Jeff Dachis von der Dachis Group und Social Devian Gründer Marc Landsberg (mitte) über das Leben in sechs Jahren.

In sechs Jahren werden die Menschen mehrere mobile Geräte auf einmal besitzen: beispielsweise eins für die Arbeit, eins für die Familie und eins zum persönlichen Gebrauch. In Japan sei das heute schon der Fall. Egal welche technologischen Fortschritte noch kommen werden – weiterentwickelte Smartphones und Tablets, Brillen oder Uhren – die Zunft wird vor allem eins: individueller und kundenorientierter. Das Internet und seine Social-Media-Kanäle werden zwar weiterhin die Weltbevölkerung näher zusammenrücken lassen, doch werden die Nutzer gleichzeitig ihren lokalen Raum bilden; wie im nicht-digitalen Leben, wo sie regelmäßig ihr Lieblings-Restaurant besuchen oder zum Waschsalon um die Ecke gehen.

Teressa Lezzi ist Redakteurin beim Fast Company Magazins.

Teressa Lezzi ist Redakteurin beim Fast Company Magazins.

“Holt die Kristallgugeln raus”, forderte Teressa Lezzi auf, einen Blick auf das zu werfen, was in den kommenden sechs Jahren technologisch und gesellschaftlich passieren wird. Die Redakteurin des Fast Company Magazins moderierte während der Social Media Week in New York City die Podiumsdiskussion „20/20 Vision: Your Life Just Six Years from Now“. Zum Gespräch geladen waren Jeff Dachis, Gründer und Geschäftsführer der Dachis Group sowie Mitbegründer von Digital-Marketingagentur Razorfish, und Marc Landsberg, Geschäftsführer und Gründer von  SocialDevian, eine Agentur, die nach eigenen Angaben Inhalte schafft und Unternehmen zur sozialen Bindung mit ihren Kunden verhilft.

Dachis und Landsbergs malten eine Zeit, die so fern gar nicht mehr zu sein scheint. „Die Zukunft ist jetzt“, sagte Dachis. „Schaut euch um!“ Schon bald werden routinierte Handlungen im Alltag vorhersehbarer sein, ergänzte er, vieles wird durch die Technologie automatisiert ablaufen, angepasst an das, was jedem Einzelnen wichtig ist. Im Vorfeld gesammelte Daten, so  Dachis weiter, werden es ermöglichen, das Leben in vielerlei Hinsichten besser zu machen. Der Gläserne Kunde muss also gar nichts schlechtes sein; zu diesem Schluss kommt zumindest der Hörer, nachdem er den Ansichten von Dachis und Landsberg gelauscht hat.

Das Thema „Datenschutz“ sollte nicht unterschätzt werden

Doch sollten die Herausforderung, die der Datenschutz noch mit sich bringen wird, nicht unterschätzt werden. Dachis glaubt, dass das Thema die Menschen zukünftig mehr proletarisieren wird. Auf der einen Seite wird es diejenigen geben, die bedachter mit ihren Informationen umgehen. Auf der anderen Seite werden viele Menschen ihre Daten freiwillig herausgeben – für individuell angepasste Angebote, aber auch für eine konkrete Gegenleistung wie einen Amazon-Gutschein. Datenhandel mit dem Endkunden quasi, nach dem Motto: „I’ll give you this in exchange fort that.“ Dachis kann sich vorstellen, dass jeder Bürger zukünftig auf einer Art Armaturenbrett für persönliche Daten entscheiden wird, welche Informationen er herausgeben möchte und welche nicht.

Marc Landberg hofft, dass er bald nicht mehr aus dem Bett steigen muss, um arbeiten zu gehen.

Marc Landberg hofft, dass er bald nicht mehr aus dem Bett steigen muss, um arbeiten zu gehen.

Die nahe Zukunft wird den Berufsalltag vieler verändern. Landsberg schmunzelte. Er hofft, dass er schon bald nicht mehr aus dem Bett steigen muss. Der Scherz ist nicht abwegig, schon heute ermöglichen es Tools wie Skype von fast jedem Ort der Welt aus mit Kollegen und Kunden zu kommunizieren. Landsberg sieht deshalb die Bedeutung von freiberuflicher und selbstständiger Tätigkeit wachsen. Und auch die Arbeitsweise wird sich mehr den persönlichen Interessen des Einzelnen anpassen, davon sind Landsberg und Dachis überzeugt. Dachis glaubt allerdings, dass ein gutes Unternehmen nur dann funktioniert, wenn Menschen persönlich aufeinandertreffen. Verlagert sich also das Verhältnis von Arbeitgeber und –nehmer, könnten Unternehmen Orte schaffen, die jeder nach Belieben aufsuchen kann.

Dass die sozialen Netzwerke den klassischen Medien den Rang ablaufen werden, liegt für Dachis auf der Hand, man müsse nur die Häufigkeit der Nutzung von Radio, Fernsehen und Zeitungen mit der Nutzung der Online-Plattformen vergleichen. „Wer von Euch hat in der vergangenen Woche Zeitung gelesen“, fragte er ins Publikum. Nur wenige Hände stiegen in die Luft. „Und wer hat ein Bild auf Instagram gesehen?“ Fast alle Teilnehmer hoben eine Hand. Doch auch die Onlinekanäle werden sich ändern, beschwören beide Sprecher:  Sie werden persönlicher. „Social Media is behaviour“ , brachte es Landsberg auf den Punkt, nicht einfach mehr nur Kanal, sich nach außen hin zu präsentieren. Immer mehr personalisierte Apps wird es geben und Unternehmen werden gezwungen sein, die Menschen dort abzuholen, wo sie tatsächlich sind. Sie werden sich mehr auf die Wünsche ihrer Kunden einstellen und deren Online- Erlebnis individueller gestalten müssen. Dachis: „Kaufentscheidungen fallen immer weniger auf der Grundlage, was Unternehmen von ihren Produkten in die Welt hinausschreien, sondern weil der Käufer einen Post von einem Freund gesehen hat.“

Verwandlung: Von Massenkommunikation zu Massenkommunikatoren

In sechs Jahren werden die Menschen also mehr maßgeschneiderte Angebote erhalten. Die Unternehmen treten mit den Einzelnen in Verbindung und verwandeln sich auf diese Weise – von der bisherigen Massenkommunikation hin zu Massenkommunikatoren. Dachis und Landsberg haben eine realistische Vorhersage gemacht, über eine Zukunft, die teilweise schon heute zu sehen ist. Die Bedeutung von Technologie wird wachsen. Jeder einzelne übt weiterhin seinen Beruf aus und ist gleichzeitig Technologe. Landsberg erzählt von seiner dreizehnjährigen Tochter, die das erste Mal ein analoges Radio im Haus ihres Großvaters zu sehen bekam. „Sie habe eine andere Perspektive auf Geräte und ihre Nutzeroberflächen.“ Landsberg sei gespannt, was die heutige Jugend später einmal erfinden wird.

Die Herausforderungen des Datenschutzes sollten nicht unterschätzt werden, glaubt Jeff Dachis.

Die Herausforderungen des Datenschutzes sollten nicht unterschätzt werden, glaubt Jeff Dachis.

Obwohl ein Roboter im Hintergrund auf einer Leinwand projiziert ist, war von futuristischen Phantasmen während der Diskussion nie die Rede. „Roboter, Dronen; In Zukunft werden wir mehr von diesen Dingen sehen“, war das einzige, das Dachis dazu sagte. Die Zukunft wird – zumindest innerhalb der kommenden sechs Jahre – eine menschliche. Eine, in der Technologie allerdings immer mehr an Bedeutung gewinnen und die Menschheit vor neuen Herausforderungen stellen wird. Science-Fiction ist auch in einer menschlichen Zukunft  nicht wegzudenken. Im Wissen dieser Tatsache startete Landsberg wohl auch deshalb die Diskussion mit einem Zitat des Science-Fiction-Schriftstellers Arthur C. Clarke: The only thing we can be sure of about the future is that it will be absolutely fantastic.“ Das einzige, das wir über die Zukunft mit Sicherheit sagen können, ist, dass sie absolut fantastisch wird.

In  New York City drehte sich während der Social Media Week vom 17. bis 21. Februar alles um Kommunikation und ihre neuzeitlichen Formen. Während der Social Media Week haben Teilnehmer die Möglichkeit, Experten aus Unternehmen und Medienhäuser zu spezifischen Themen zu hören, sich an Diskussionen zu beteiligen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in Workshops, Masterclasses und Onlinekursen aufzubessern  und – nicht weniger wichtig – neue Bekanntschaften zu schließen.  Das diesjährige Motto ist „The Future Of Now: Always On, Always connected”.

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