Super-Fan wird Startup-Gründerin: Fannabee – eine App für Sammler

Der Kylieroom: Antonella Sinigaglia bezeichnet sich selbst als Kylie Minogues Fan Nummer Eins in Europa.  Fotos: Sinigaglia

Der Kylieroom – Fannabee-Gründerin Antonella Sinigaglia bezeichnet sich selbst als europäischen Nummer Eins Fan von Kylie Minogue. Fotos: Sinigaglia

Wie viele Geschichten in der menschlichen Historie beginnt auch diese mit der Bewunderung einer schönen Frau. Wenn der australische Pop-Star Kylie Minogue ein neues Album veröffentlicht, reicht es Antonella Sinigaglia nicht, einfach nur die italienische Version der CD zu kaufen. Die in der Nähe von Mailand lebende Frau will dann auch gleich die amerikanische, die brasilianische, die spanische… einfach alle Versionen besitzen. „Ein Sammler muss alles haben“, sagt sie. Über die vergangenen Jahrzehnte der Treue hinweg sind auch etliche Fanartikel hinzugekommen: T-Shirts, Kalender, Vinyl-Platten, sogar eine 2000 Euro teure Lampe, die die Silhouette der Sängerin an die Wand projiziert, besitzt Sinigaglia. Früh schon sah sich deshalb der Super-Fan durch den Sammel-Eifer vor einem Problem gestellt. In einem Raum, gefüllt mit etwa 7000 Kylie Minogue-Objekten, hatte die „Hardcore Sammlerin“ den Überblick verloren.

Bald schon soll Fannabee Treffpunkt und Handelsplattform für leidenschaftliche Sammler werden. Fotos: Sinigaglia

Bald schon soll Fannabee Treffpunkt und Handelsplattform für leidenschaftliche Sammler werden. Fotos: Sinigaglia

Wo viele die jugendhafte Anbetung einer Pop-Ikone aufgeben und das Erwachsen werden als sozial taugliche Entschuldigung aufführen, um sich der Mühen seiner Passion zu entledigen, blieb die Tech-Liebhaberin Sinigaglia Feuer und Flamme. Als Gründerin der offiziellen Fanpage von Kylie Minogue in Italien wusste sie, dass sie nicht die Einzige mit diesem Problem war. Die damalige Senior Art Direktorin einer italienischen Agentur suchte unbeirrt nach einer Lösung. Das Ergebnis war ein digitales Katalogisierungsprogramm mit Sozialattributen. Fannabee war geboren, ein soziales Netzwerk, auf dem Musikfans aus aller Welt ihre Sammelstücke auflisten und sich mit anderen Fans austauschen können.

Fannabee ist noch nicht offiziell auf dem Markt gestartet. 500 Beta-Tester prüfen derzeit die Tauglichkeit der IOs App. Die Plattform ist vielversprechend, die Handhabe einfach. Mit einem Klick hat sich der Sammler über Facebook registriert und ein Profil angelegt. Um alles ordnungsgemäß katalogisieren zu können, greifen Fans von Justin Bieber, Madonna, Queens und vielen mehr auf Informationen aus einer Datenbank zurück, an der Sinigaglia seit drei Jahren arbeitet. Die Autocomplete-Funktion erspart sogar langes Eintippen bei der Suche von Produkten. Sinigaglia versteht ihr Handwerk und das sieht man der App auch an: Sie ist farbenfroh, modern und übersichtlich strukturiert.

Oft schon hat Sinigaglia ihr ihr Pop-Idol Kylie Minogue getroffen. Fotos: Sinigaglia

Oft schon hat Antonella Sinigaglia ihr Pop-Idol Kylie Minogue getroffen. Fotos: Sinigaglia

Die Italienerin macht keine halben Sachen. Das bewies sie schon mit der Kylie Minogue-Fanpage, die sie vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat. „Ich bin schon ein bisschen verrückt“, beschreibt sie sich selbstironisch und lacht. Immer mehr Zeit, Liebe und Geld aus eigener Tasche investierte sie. Stellte neben den allgemeinen Informationen auch Produkte zum Verkauf auf die Seite. Manche entwarf sie sogar selbst. Das Label von Kylie Minogue wurde auf sie aufmerksam. Lud Sinigaglia zu Gesprächen ein und machte ihre Seite schließlich zur offiziellen Fan-Seite des Landes. Seitdem ist der „europäische Nummer Eins-Fan“, wie sie sich selbst bezeichnet, Dauergast im Backstage-Bereich, wenn Minogue durch Italien tourt. „Sie ist eine wunderschöne Person“, sagt sie über den Star, „Ihre Erscheinung sowie ihr Charakter“, fügt sie hinzu. Sinigaglia hat viele Veranstaltungen organisiert, um der Sängerin zu mehr Popularität in dem Land zu verhelfen und schaffte es so selbst zu etwas Ruhm. Mit dem Minogue-Fanclub wurde sie vor einigen Wochen beispielsweise zur landesweiten und beliebten Castingshow „Amici di Maria de Filippi“ eingeladen.

Die Leidenschaft Sinigaglias geht keine Kompromisse ein. Um sich ihrem neuen Projekt Fannabee zu widmen, kündigte sie ihren Job in der Agentur. Dass Fannabee Erfolgspotential hat, zeigte sich dann schnell. Zwei Unternehmen wurden auf sie aufmerksam und halfen ihr mit kleineren Finanzspritzen. Beim ICT Spring, einer jährlich stattfindenden Zusammenkunft der Tech-Community in Luxemburg, wurde die App mit einem Preis für Startups ausgezeichnet. Vor ein paar Tagen erst beendete Sinigaglia eine Reise nach New York. Sie wurde von Ventueroutnyc eingeladen, einem US-Unternehmen, das Startups aus aller Welt fördert. Die Millionenstadt ist bekannt  für ihre außergewöhnliche und vielversprechende Startup-Szene. Dort, wo Menschen an die kreativen Visionen von Jungunternehmern glauben, erhielt Sinigaglia die Chance, sich mit Experten auszutauschen, zu networken und nach neuen Investoren zu suchen.

Dass die Italienerin nach New York eingeladen wurde, kam zum richtigen Zeitpunkt. Sie möchte ihr Heimatland ohnehin verlassen und in die Vereinigten Staaten auswandern. Denn dort leben die meisten potenziellen Nutzer von Fannabee, erläutert sie. Italien, so die Unternehmensgründerin, sei außerdem kein Land, in dem ein Startup erfolgreich sein könne. „Nicht genug Investoren, zu hohe Steuern, allgemeine Skepsis gegenüber Jungunternehmern“, zählt sie ein paar Gründe auf. Allein um ihr Unternehmen auf offizielle Papiere zu bringen und zu starten, musste sie 10000 Euro an den Staat zahlen. Das erstickt die Vorhaben junger Menschen noch bevor sie überhaupt gestartet sind. Der Enttäuschung über die Zustände in Italien verleiht Sinigaglia ungehemmt Ausdruck: „Ich kann es kaum abwarten, das Land endgültig zu verlassen“, sagt sie. „Das einzige, das mir fehlen wird, ist das Essen und die Sonne.“

Ob Sinigaglia überhaupt Zeit haben wird, sich über Essen und Wetter Gedanken zu machen, sollte sie es tatsächlich nach USA schaffen, ist fraglich. Sie mag den Fortschritt. Auch wenn es Fannabee noch nicht zum Download gibt, weiß die Gründerin, dass die Plattform nicht in ihrer aktuellen Fassung bleiben wird. Sinigaglia arbeitet bereits an einer Erweiterung. Musikfans sollen sich nicht nur austauschen und ihre eigenen Produkte katalogisieren können, sondern mithilfe der sozialen Plattform soll auch ein Markt entstehen, auf dem Fans weltweit mit den geliebten Produkten handeln können. Wer eine CD in doppelter Ausführung hat, soll über Fannabee einen anderen Sammler glücklich machen können. Außerdem wird es nicht bei den Produkten von Popstars bleiben. In der Vorstellung der Gründerin wird Fannabee schon bald digitaler Treffpunkt und Handelsplatz für alle sein, die mit Leidenschaft sammeln.

Mehr Informationen über Fannabee gibt es hier und auf:

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–          Pinterest

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