Tatort-Schauspieler lobt Frankfurt für Vielfalt der Kulturen

Jonas Schlagowsy  © Schlagowsky

Jonas Schlagowsy © Schlagowsky

Für Jonas Schlagowsky ist Frankfurt zweite Heimat. Vier Jahre lang studierte er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Schauspiel. Der 26-Jährige macht seitdem stetig Karriere. Erst erhielt er eine Festanstellung am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken. Dann wurde er Ensemblemitglied am Deutschen Nationaltheater und Staatskapelle Weimar (DNT).  Anfang des Jahres schaffte er es sogar ins Fernsehen. Im Saarländischen Tatort Adams Alptraum spielt er Jonas, einen jungen Mann, der, um seinen kleinen Bruder Ben zu schützen, zur Gewalttat gegen einen vermeintlichen Pädophilen aufruft.

Im Leben abseits von Kamera und Bühne ist Schlagowsky alles andere als gewaltbereit. Auch aus diesem Grund liebt er Frankfurt so sehr. Wenn er über die Mainmetropole redet, überschlägt er sich in Lobeshymnen. „Ultra-sympathisch“ ist die Stadt und ein „Paradebeispiel“, wie gut das Nebeneinander und Miteinander verschiedener Kulturen funktioniert. Nirgendwo anders habe er so viele verschiedene Menschen getroffen und regen Austausch gehabt.

Plötzlich mit Bomberjacke und stolz, Deutscher zu sein

In Frankfurt ist er nie in Kontakt mit Rechtsradikalen gekommen, zählt Schlagowsky ein weiteres Beispiel auf. Das Thema liegt ihm besonders am Herzen, denn in seiner Heimatstadt Jever sei das anders. Er erinnert sich an seine Schulzeit, als sich ein älterer Junge plötzlich von seiner Skater-Gruppe entfernte. „Auf einmal trägt er eine Bomberjacke, mit Sticker, auf dem draufsteht, dass er stolz ist Deutscher zu sein.“ Immer wieder fragt sich der Schauspieler seitdem, was einen Menschen dazu bringt, rechtsradikal zu werden. „Was haben Menschen erlebt, die auf einmal andere hassen?“

Rechtsradikalismus ist seit jeher Bestandteil von Schlagowskys Schauspielkarriere. Nach dem Abitur entschloss er sich, in Frankfurt an der Schauspielschule vorzusprechen. Er stellte den Neonazi Marco Schönfeld aus „Der Kick“ von Andres Veiel und Gesine Schmidt dar. Durchschnittlich 800 Personen bewerben sich auf acht bis zehn Stellen. Schlagowsky überzeugte. „Dass mir die Rolle nahe ging, haben die Lehrer wohl gespürt.“

Bereits zum 70. Mal ist Schlagowsky nun schon im Auftrag des DTNs in die Klassenzimmer Weimars und Umgebung gegangen. In „Deine Helden, meine Träume“ von Karen Köhler mimt er Jonas, einen ehemaligen Boxer, der nach sieben Jahren in sein altes Klassenzimmer zurückkehrt, weil ihn das schlechte Gewissen plagt. Aus Eifersucht hatte er seinen türkischen Freund verraten und an Rechtsradikale ausgeliefert. In einem Monolog spricht der Protagonist vor den Schülern über seine Beweggründe, das Wir-Gefühl in der rechtsradikalen Szene und seine Reue.

Schüler offenbaren rechtsradikales Gedankengut

Weil Hauptcharakter und Darsteller denselben Vornamen tragen und der Plot selbst in einem Klassenzimmer spielt, verschwimme geradezu Schauspiel und Realität, sagt Schlagowsky. Die Reaktion der Schüler auf die Ein-Mann-Aufführung ist unterschiedlich: Mal stimmten sie zu, dass „Rechtsradikalismus böse ist“. Mal offenbarten sie rechtsradikales Gedankengut. Auf keinen Fall aber will Jonas mit mahnendem Finger vor ihnen stehen. Vielmehr versucht er, „die Energien der Schüler aufzunehmen und sie ihnen zurückspiegeln“, erklärt er.

Vom bereuenden Rechtsradikalen im Klassenzimmer zum Selbstjustiz ausübenden jungen Mann im TV – der Personenwechsel ist für den Schauspieler keine große Kunst. Über den Unterschied zwischen Filmdreh und Theater sagt Schlagowsky allerdings: „Das sind fast zwei komplett verschiedene Berufe. Am Set kann sich deine Rolle nicht chronologisch entwickeln. Du musst von Anfang an genau wissen, in welcher Entwicklungsphase sich Deine Rolle in welcher Szene befindet.“

Beeindruckt hat ihn deswegen auch Schauspielkollege Devid Striesow, der Hauptkommissar Jens Stellbrink spielt. „Er ist total kollegial humorvoll und verbreitet sehr gute Stimmung am Set“, sagt Schlagowsky. „Und wenn das Lämpchen leuchtet, ist er hundertprozentig da. Er beherrscht das Medium in Perfektion.“

Jonas Schlagowsy © Schlagowsky

Ob Set oder Bühne: Schlagowsky liebt das Schauspiel. Deshalb machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Ein Privileg, das nicht jeder Mensch genießen kann, weiß er. Probezeiten von zehn bis 14 Uhr und dann erst wieder von 18 bis 22 Uhr seien zwar hin und wieder schwierig, nehme er jedoch gern in Kauf. Einen anderen Beruf kann er sich nicht vorstellen. Die ideale Karriere ist in seinen Augen die Mischung aus Theater- und Filmproduktion; „früher oder später vielleicht wieder mit Hauptwohnsitz in Frankfurt“, sagt Schlagowsky und lächelt. Dort, wo seine Freundin lebt und weswegen er regelmäßig zu Besuch ist.

Auch viele seiner engsten Freunde leben in Frankfurt und Offenbach. Es sind andere junge Kreative, einige die an der Hochschule für Gestaltung studieren. „Ich liebe diese Region“, bringt Schlagogwsky es auf den Punkt. „Klar, auch in Frankfurt gibt es Abgehängte“, ergänzt er und meint junge Männer, die  gewaltbereit sind. Ihm sei aber noch nie etwas passiert. In Berlin, so der Schauspieler, fühle er sich unsicherer.

Obwohl es außerhalb der Stadtgrenzen ziemlich gut läuft, ist Schlagowsky überzeugt: „Ich werde früher oder später nach Frankfurt zurückkommen.“ Dann hält er kurz inne. Eine Sache störe ihn doch sehr an der Mainmetropole. „Die hohen Mietpreise!“ Viel zu teuer seien die mittlerweile.

Mehr Informationen zu Jonas Schlagowsky gibt es hier und hier.

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